Dr. med. Luise Prüfer-Krämer Innere Medizin – Tropenmedizin – Infektiologie
T.0521/521-3530Malaria
Stand 03/2008Malaria ist in den Tropen und Subtropen (z.B. Afrika südlich der Sahara, Mittel- und Südamerika, sowie in weiten Teilen Asiens) weit verbreitet. Die Erreger der Malaria sind einzellige Parasiten der Gattung Plasmodium. Je nach Art des Plasmodiums können verschiedene Formen der Malaria auftreten. Der Erreger der Malaria tropica ist Plasmodium falciparum, der Malaria tertiana Plasmodium vivax oder Plasmodium ovale und der Malaria quartana Plasmodium malariae. Malariaparasiten werden nur von weiblichen Anophelesmücken übertragen, die vor allem abends und nachts stechen. Die M. tropica ist potentiell lebensbedrohlich. Mit schweren Krankheitserscheinungen ist bei Malaria tropica bereits nach wenigen Krankheitstagen zu rechnen. Pro Jahr werden etwa 1000 Malariaerkrankungen in Deutschland gemeldet.
Die Inkubationszeit (Zeit von Infektion durch Mückenstich bis zum Auftreten der ersten Symptome) ist abhängig von dem Erreger. Sie beträgt 7-40 Tage oder in Einzelfällen bis zu Jahren.
Das Krankheitsbild ist Grippe-ähnlich mit starken Kopf- und Gliederschmerzen. Periodische Fieberschübe können Werte bis zu 41°C erreichen. Das Fieber fällt bei jedem Fieberschub nach wenigen Stunden spontan wieder ab. Bei Malaria tropica kann im Gegensatz zu dem "typischen" Malariaanfall der Fieberverlauf anders sein. Begleiterscheinungen sind u.a. Schüttelfrost beim Fieberanstieg, Schwitzen beim Fieberabfall, Schwindel, Bauchschmerzen, Erbrechen und Bewusstseinsstörungen.
Die Diagnose erfolgt durch den Parasitennachweis im Blut. Die Behandlung ist abhängig von der klinischen Symptomatik, der Resistenzlage des Malariaerregers, sowie der Wirkung verschiedener Mittel aufeinander. Die wichtigsten Therapeutika sind Mefloquin (Lariam®), Chinin, Atovaquon und Proguanil (Malarone®), Artemeter/Lumefantrin (Riamet®) und Chloroquin (z.B. Resochin®). Einige dieser Antimalariamittel sind auch für die Chemoprophylaxe geeignet.
Malariaprophylaxe
Die Expositionsprophylaxe (A) und die Chemoprophylaxe (B) sind bei Reisen in Malariagebiete grundsätzlich empfehlenswert. Eine absolut sichere Malariaprophylaxe gibt es zur Zeit nicht, trotzdem verhindert die Prophylaxe die meisten Malariaausbrüche und mildert den Krankheitsverlauf. Bei Reisen in besonders gefährdete Gebiete sollte neben der Chemoprophylaxe eine therapeutische Dosis mitgeführt werden. Dieses kann als notfallmäßige Selbstbehandlung/ "Standby" (C) bei nicht erreichbarer ärztlicher Hilfe eingenommen werden.
Bei Auftreten von hohem Fieber während oder nach der Rückkehr von einer Tropenreise suchen Sie auf jeden Fall sofort einen Arzt auf und machen Sie ihn auf Ihren Tropenaufenthalt aufmerksam.
A. Expositionsprophylaxe = Vermeidung von Moskitostichen
o Senkung des Infektionsrisikos durch:
- Tragen von hautbedeckender Kleidung (besonders abends und nachts)
- Auftragen von mückenabweisenden Mitteln auf unbedeckte Hautpartien: Repellents mit den Wirkstoffen
DEET (z.B. Nobite® Haut) oder Bayrepel (z.B. Autan®)
- Aufenthalt in mückengeschützten Räumen (z.B. Fliegendraht, Moskitonetz, klimatisierte Räume)
B.
Chemoprophylaxe = Vorbeugende Einnahme von Medikamenten|
Medikament: |
Dosierung*: |
Empfehlung für Gebiet: |
Einnahmezeitraum: |
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o CHLOROQUIN als RESOCHIN® |
2 Tabl. pro Woche (3 Tabletten/Woche bei über 75 kg Körper- gewicht) |
In Gebieten ohne CHLOROQUIN-Resistenz und in M. tertiana Gebieten |
regelmäßige Einnahme: eine Woche vor, während und 4 Wochen nach Aufenthalt im Malariagebiet |
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o MEFLOQUIN als LARIAM® |
1 Tablette/Woche ** (abends nach dem Essen) |
In Gebieten mit CHLOROQUIN- Resistenz |
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o DOXYZYKLIN monohydrat 100 mg |
1 Tablette/Tag (mit viel Flüssigkeit, am besten während einer Mahl- zeit einnehmen)
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In Gebieten mit CHLOROQUIN- Resistenz |
1-2 Tage vor, während und 4 Wochen nach Aufenthalt im Malariagebiet |
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o ATOVAQUON + PROGUANIL als MALARONE |
1 Tablette/Tag (nach einer Hauptmahlzeit) |
In Gebieten mit CHLOROQUIN- Resistenz |
ein Tag vor, während und 7 Tage nach Aufenthalt im Malariagebiet (Erwachsene mit KG>40kg; max. Aufenthaltsdauer: 28 Tage) |
* für Erwachsene
** Normalerweise wird Lariam mindestens 1 Woche vor Einreise in ein Malariagebiet eingenommen. Wenn die Zeit bis zur Ausreise nicht mehr ausreicht, kann in Ausnahmefällen mit einer Initialdosis ("loading dose") begonnen werden. Dabei wird an 3 aufeinanderfolgenden Tagen je 1 Tablette eingenommen, danach in wöchentlichen Abständen jeweils 1 Tablette. In bestimmten Fällen kann es angezeigt sein, die Verträglichkeit des Medikamentes zu prüfen, so dass bereits 2-3 Wochen vor der Abreise mit der Einnahme begonnen werden kann.
C. "Stand-by"
= notfallmäßige Bedarfs-/ SelbsttherapieTritt trotz regelmäßiger Einnahme von CHLOROQUIN bzw. PROGUANIL/ CHLOROQUIN Fieber ohne unmittelbar erkennbare Ursache (z.B. schwere Erkältung, Harnwegsinfektion) auf, sollte an eine resistente M. tropica gedacht werden. Ist ein Arzt innerhalb von 24 Stunden nicht erreichbar, sollte in einem solchen Fall mit einer "stand-by"-Therapie begonnen werden:
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Medikament: |
Dosierung für Erwachsene: |
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o MEFLOQUIN als Lariam® |
Zu Beginn 3 Tabletten, nach 6-8 Stunden 2 Tabletten, bei einem Körpergewicht von mehr als 60 kg nach weiteren 6-8 Stunden 1 Tabl.. |
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o ATOVAQUON+ PROGUANIL als Malarone® |
An drei aufeinanderfolgenden Tagen pro Tag je 4 Tabletten als Einmaldosis. |
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o ARTEMETHER/ LUMEFANTRIN als Riamet® |
Nur für Malaria tropica geeignet. Wechselwirkung mit Chinin/Mefloquin und anderen Medikamenten beachten. Nicht bei Herzerkrankungen anwenden. Zugelassen ab 12 Jahre (bzw. 35kg Körpergewicht). Zu Beginn 4 Tabletten, nach 8, 24, 36, 48 und 60 Stunden jeweils 4 Tabletten. |
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o CHLOROQUIN als Resochin® |
Zu Beginn 4 Tabletten, nach 6 Stunden 2 Tabletten, an den 2 Folgetagen 2 x 1 Tablette. |
Die "Stand-by"-Therapie ersetzt die ärztliche Untersuchung nicht!
Die alleinige Mitnahme eines Malariamittels als "Stand-by" ohne prophylaktische Medikamenteneinnahme kann nach Rücksprache mit dem Arzt bei kurzfristiger Malariaexposition (einzelne Tage), bei Reisen in Gebiete mit sehr niedrigem Malariavorkommen oder bei bekannter Unverträglichkeit der Malariaprophylaxe erfolgen.